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Wenn es wirklich schmerzt

Prävention, Gesundheitsförderung und gesundheitlichen Chancengleichheit sind die Ziele der deutschen Bundesregierung – jedoch explizit nicht für Flüchtlingskinder. Rund 48.000 Minderjährige erhalten Gesundheitsleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, welches große Teile der Gesundheitsversorgung ausschließt. Dem Asylbewerberleistungsgesetz zufolge besteht ein Anspruch auf medizinische Behandlung lediglich bei akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen. Die Behandlung von chronischen Krankheiten, psychotherapeutische Maßnahmen sowie Untersuchungen zur Gesundheitsvorsorge werden hingegen nicht gewährt. Letzteres kann für Kinder in der Wachstumsphase weitreichende Folgen haben, wenn beispielsweise die Kosten für Haltungsschäden, Brillen oder Zahnspangen nicht übernommen werden. In Bayern sind mehrere Fälle bekannt geworden, in denen die Zähne bei Minderjährigen nicht behandelt, sondern gezogen wurden.

Jugendliche, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, benötigen oftmals einen so genannten Krankenschein, wenn sie eine_n Ärzt_in aufsuchen möchten. Diesen Krankenschein erhalten sie in der Regel beim Sozialamt, bei dem sie persönlich vorsprechen müssen. Die Sachbearbeiter_innen des Sozialamtes müssen dann darüber entscheiden, ob eine Behandlung gewährt wird, obwohl sie über keinerlei medizinische Qualifikation verfügen. Durch diese Praxis, die zu erheblichen Verzögerungen bei der Behandlung von akuten Schmerzen führen kann, werden notwendige Behandlungen verschoben oder finden gar nicht erst statt.