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Folter, Trauma, Missbrauch

Jugendliche, die psychisch belastet sind wegen ihrer Flucht oder dem, was sie davor erlebten leiden in Deutschland weiter unter körperlichen und psychischen Beschwerden. All dies wird durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus zusätzlich erschwert. Allerdings wissen wir nicht, wieviele und welche Beschwerden es gibt, denn sie werden nicht systematisch erfasst und diagnostiziert, genauso wenig wie die Unterstützung die Kinder und Jugendlichen für eine Genesung bräuchten. Für die Behandlung von psychischen Schäden stehen nur sehr wenig Therapieplätze oder andere Formen der Unterstützung zur Verfügung. Auch die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften bietet keinen ausreichenden Schutz vor sexualisierter Gewalt.

Ein Beispiel für das nicht beachten, nicht sehen, nicht erkennen von Trauma ist der Umgang mit Jungendlichen durch die Polizei (erkennungsdienstliche Behandlung) in Berlin. Obwohl alle unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in einer Clearingeinrichtung jugendgerecht untergebracht sind, müssen sie wenige Tage nach ihrer Ankunft zur Ausländerbehörde. Falls der oder die Jugendliche noch keinen Asylantrag gestellt hat (im Jahr 2010 betraf dies 336 von 377 unbegleiteten Minderjährigen), erstattet die Ausländerbehörde eine Anzeige wegen unerlaubter Einreise.

Sind die minderjährigen Flüchtlinge über 14 Jahre alt, werden sie noch in der Ausländerbehörde von der Polizei festgenommen und abgeführt. Dies geschieht oft in Handschellen, obwohl die Jugendlichen in der Clearingeinrichtung einen festen Wohnsitz haben und viele von ihnen traumatisiert sind. Die Minderjährigen werden anschließend in eine Gefangenensammelstelle gebracht. Sie werden dabei nicht durch Vertrauenspersonen begleitet, denn Begleitpersonen dürfen nicht im Gefangenentransporter befördert werden. Nach Ankunft in der Gefangenensammelstelle müssen sie sich zunächst ausziehen. Mehrere Jugendliche berichteten unabhängig voneinander, dass sie in Unterwäsche in einem engen Warteraum mehrere Stunden warten mussten.

Die Minderjährigen müssen das Ergebnis einer weiteren erkennungsdienstlichen Behandlung durch die Polizei in Gewahrsam abwarten. Da dies bis zu 10 Stunden dauern kann, werden die Minderjährigen oft mitten in der Nacht aus der Gefangenensammelstelle entlassen. Die Jugendlichen werden nicht über den Grund der Inhaftierung oder über das Ziel, zu dem sie gebracht werden, informiert. Sie erleiden auf dem Weg zur Gefangenensammelstelle die panische Angst, unmittelbar abgeschoben zu werden – manchmal wurde ihnen das auch suggeriert. Aussagen der Jugendlichen zufolge werden die minderjährigen Flüchtlinge bei der Polizei in eine kleine und unbeheizte Zelle eingesperrt, ohne Versorgung mit Lebensmitteln oder Getränken und ohne zu wissen, wie lange sie dort bleiben müssen.