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Nach Art. 8 der Kinderrechtskonvention ist Deutschland verpflichtet, das Recht des Kindes zu achten und seine Identität, einschließlich seiner Staatsangehörigkeit, seines Namens und seiner gesetzlich anerkannten Familienbeziehungen, ohne rechtswidrige Eingriffe zu wahren. Als Teil dieser Identität ist auch das Alter des Kindes anzuerkennen.

Doch in Deutschland werden die vom UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes formulierten Mindeststandards an das Verfahren zur Bestimmung der Identität nicht eingehalten. Diesen Mindeststandards zufolge soll nicht nur dem äußeren Erscheinungsbild des Kindes Beachtung geschenkt werden, sondern auch dessen psychischer Reife. Darüber hinaus sei die Untersuchung in einer Art und Weise durchzuführen, die wissenschaftlich fundiert und sicher ist. Es sollte sich um ein faires Verfahren handeln, das kindgerecht ist und das Geschlecht des Kindes angemessen berücksichtigt, jedes Risiko für die körperliche und seelische Unversehrtheit des Kindes meidet, die Würde des Menschen gebührend achtet und im Falle verbleibender Zweifel zugunsten des_r Betreffenden entscheidet. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass, wann immer die Möglichkeit besteht, dass es sich um ein Kind handeln könnte, es auch als solches behandelt wird.

Die meisten Altersfestsetzungen in Deutschland werden von Mitarbeiter_innen der Jugendämter oder der Bundespolizei vorgenommen. Basierend auf § 42 SGB VIII, § 20 und § 21 SGB X und § 49 Aufenthaltsgesetz (AufenthG) dürfen beide Behörden Altersfestsetzungen bei Personen durchführen, die angeben minderjährig zu sein. Wie in solchen Fällen zu verfahren ist, ist allerdings nicht einheitlich geregelt. Oft wird die äußerliche Erscheinung in Betracht gezogen und der oder die Minderjährige wird angehört, um Informationen zum persönlichen Hintergrund zu erhalten und auf dieser Grundlage die Richtigkeit des angegebenen Alters einschätzen zu können. Wie die Bundespolizei bei Altersfestsetzungen vorgeht ist sehr unterschiedlich, es sind dazu jedoch keine Angaben von der Bundespolizei erhältlich.

Medizinische Altersfestsetzungen im Auftrag von Gerichten und Behörden werden in den Bundesländern unterschiedlich durchgeführt. Während der Ausschuss für die Rechte des Kindes betont, dass im Falle von Zweifeln am Alter auch die psychische Reife des Kindes und nicht ausschließlich der physische Zustand beachtet werden soll, werden bei medizinischen Verfahren ausschließlich körperliche Merkmale berücksichtigt. Ziel einer medizinischen Altersfestsetzung ist die Bestimmung des biologischen Alters. Dabei werden Röntgenaufnahmen verschiedenster Knochenteile angefertigt oder durch andere bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbar gemacht. Das Knochenalter kann jedoch stark vom chronologischen Alter abweichen. Dies führt wiederum dazu, dass Personen allein aufgrund ihres Knochenalters zu Erwachsenen gemacht werden. Es werden auch andere Merkmale festgehalten, wie etwa die Ausprägung der Genitalien und der Schambehaarung.

Minderjährige werden manchmal vereinzelt, manchmal systematisch für volljährig erklärt um sie wie Erwachsene unterbringen zu dürfen und um sie leichter abschieben zu können. Ein Recht auf ein faires Verfahren und das Recht auf körperliche Unversehrtheit werden da missachtet.