Bayernkaserne

Bayernkaserne München

Jugendämter müssen alle unbegleiteten Minderjährigen unmittelbar nach ihrer Ankunft in Deutschland in Obhut zu nehmen, Schutz und Unterstützung zu gewähren, sie vorübergehend kindgerecht unterzubringen und den Jugendhilfebedarf zu klären. Dazu sind sie seit der Neufassung des § 42 SGB VIII vom 1. Oktober 2005 verpflichtet. Doch in München werden 16- und 17-Jährige in einer Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht.

Im Januar 2013 waren 190 unbegleitete Minderjährige in der Erstaufnahmeeinrichtung “Bayernkaserne” untergebracht, einer früheren Kaserne, die nur über 90 Plätze verfügt. Das bedeutet, dass bis zu sechs Personen einen Raum teilen müssen. Es gibt nur wenige Kochgelegenheiten (eine Küche für 80 Jugendliche, die für sich selbst kochen müssen) und die Sanitäranlagen sind in einem schlechten Zustand. Des Weiteren besitzt die Einrichtung keinen Gemeinschaftsraum und es werden nur wenige Freizeitaktivitäten angeboten. Die geringe Zahl an Mitarbeiter_innen kann sich nicht angemessen um die Jugendlichen kümmern. Besonders am Abend und in der Nacht erhalten sie nicht die nötige Unterstützung, wenn nur privates Sicherheitspersonal anwesend ist. Häufig müssen die Minderjährigen zwölf Monate und länger in dieser Einrichtung ausharren. Im Januar 2012 organisierten 60 Jugendliche einen Hungerstreik, um gegen diese Situation zu protestieren. Von ihnen mussten 20 hospitalisiert werden.

Im Februar 2013 eskalierte die Situation erneut und die regionale Presse berichtete täglich von den schlechten Bedingungen und den gewaltsamen Konflikten zwischen Minderjährigen und dem Sicherheitspersonal. Trotz der Proteste nimmt die Landesregierung die Jugendlichen immer noch nicht in Obhut und bietet ihnen keine Alternative zu der überfüllten Erstaufnahmeeinrichtung an.Eine Gruppe von Kinderärzten besuchte im Juni die Bayernkaserne und zeigte sich überrascht, dass es noch nicht zu Epidemien gekommen sei.